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Die das Verdienstkreuz tragen I: António de Oliveira Salazar

António de Oliveira Salazar – ein durch und durch verdienter Mann! Erst vor wenigen Jahren wählten die Portugiesen ihn in einer Fernsehsendung zu ihrem bedeutendsten Landsmann aller Zeiten. 1928 wurde der aus einfachen Verhältnissen stammende Salazar Finanzminister von Portugal. Dabei gelang es ihm durch seine ökonomische Kompetenz, die von seiner vorherigen Arbeit als Wirtschaftsprofessor herrührte, den hochverschuldeten Staat durch einen rigiden Sparkurs aus der Krise zu führen. Dieses Verdienst wurde ihm 1932 mit dem Posten des Premierministers vergolten. 1933 versorgte er Portugal mit einer neuen Verfassung, die ihm die Regierung in einem Einparteiensystem ermöglichte – der politischen Situation in Bayern also nicht unähnlich. Bis zu seinem Schlaganfall im Jahr 1968 führte er sein Land in großer wirtschaftlicher Stabilität. Im Zweiten Weltkrieg verhielt sich Portugal weitestgehend neutral. Allerdings stellte Salazar den Alliierten mehrere Flughäfen  als Militärbasen zur Verfügung und hatte so entscheidenden Anteil am Sturz Hitlers. Nicht zuletzt deshalb nannte Franz-Joseph Strauss ihn einmal „einen bedeutenden Staatsmann der Zeitgeschichte“.

Dies alles wird Theodor Heuss im Hinterkopf gehabt haben, als er Salazar 1953 das Großkreuz verlieh. Andere Aspekte hat er entweder missachtet, vergessen, oder er fand auch ganz einfach Gefallen an ihnen. Salazar war nicht direkt Faschist und auch kein totalitärer Diktator. Dafür fehlte es seinem Regime an

448px-Antonio_Salazar-1Massenmobilisierung, Militarisierung und Personenkult. Es sei jedoch angemerkt, dass Salazar Portugal in einer autoritären Diktatur regierte, die totalitäre und faschistische Züge trug. Dies wird durch die PVDE, Salazars Geheimpolizei, (später durch die PIDE ersetzt) deutlich. Sie verfügte über ein Konzentrationslager in der kapverdischen Stadt Tarrafal und über mehrere Geheimgefängnisse in Portugal. Besonders bei der Opposition war sie gefürchtet. Beispielsweise wurde ein Oppositionspolitiker, der bei einer Wahl trotz Manipulation über 20 Prozent erreichte, erst zur Flucht nach Brasilien gezwungen und später bei einem Einreiseversuch ermordet. Außerdem gründete Salazar eine paramilitärische Einheit nach dem Vorbild der SA namens Legião Portuguesa und die dazu passende Jugendorganisation Mocidade Portuguesa, die Ähnlichkeiten zur Hitlerjugend aufwies.

Damit nicht genug: Er unterstützte auch seinen sowohl totalitäreren als auch faschistischeren Nachbarn Francisco Franco y Bahamonde beim Gewinn des spanischen Bürgerkriegs wirtschaftlich, logistisch und militärisch durch Einheiten, die aus portugiesischen Freiwilligen gebildet wurden. Außerdem überließ er Nazideutschland Bergbaukonzessionen für Wolfram, das zum Bau von Kanonen verwendet wurde. Dies macht seinen Anteil am Sturz Hitlers ungleich viel kleiner.

Salazar war ein Diktator, der Portugal mit repressiven Mitteln beherrscht hat und dabei wortwörtlich über Leichen ging. Oder anders ausgedrückt: Das Lob aus dem Mund von Franz-Joseph Strauss kam nicht von ungefähr, die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes schon.

[Bildquellen: Salocin, Wikimedia Commons; Daffy123, Wikimedia Commons]

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