Betterson

Alle grundrechtlich geschützten Bereiche enden irgendwo.
Wolfgang Schäuble

D10S

Seine Taten sind hinreichend bekannt, dennoch möchte ich hier ein paar wiedergeben: Er schoss seinerzeit von seiner Villa aus mit einem Luftgewehr auf einen Journalisten. Er bedachte auf einer Pressekonferenz seine Widersacher mit dem Satz „Jetzt könnt ihr mir alle einen blasen!“. Er ließ sich mit einem neapolitanischen Mafiaboss im Whirlpool fotografieren. Er zettelte vor den Augen des spanischen Königs eine Schlägerei an. Er kokste, als gäbe es kein morgen. Der Mann heißt Diego Armando Maradona und arbeitet in Dubai als Fußballtrainer, seine Glaubensgemeinschaft heißt Iglesia Maradoniana.

Alles fing damit an, dass zwei Freunde in Rosario/Argentinien im Jahr 1998 zum Spaß Weihnachten an Maradonas Geburtstag, dem 30. Oktober, feierten. Mittlerweile zählt die Gemeinde über 40.000 Mitglieder auf der ganzen Welt, darunter die prominenten Fußballspieler Ronaldinho und Michael Owen. Maradona wird hier auch D10S genannt – wegen seiner Rückennummer 10 und des spanischen Worts für Gott, Dios. Die heilige Schrift ist Maradonas Autobiographie, das wichtigste Gebet ist das “Diego unser”, die Zeitrechnung wurde Maradona angepasst – wir befinden uns gerade im Jahr 51 D.D. (Después de Diego) – und man verfügt gar über eigene 10 Gebote. Sie lauten:

  1. Der Ball wird nicht befleckt, wie Gott zum Abschied sagte.

  2. Liebe den Fußball über alles andere.

  3. Erkläre deine bedingungslose Liebe zu Diego und gutem Fußball.

  4. Verteidige das argentinische Trikot und respektiere das Volk.

  5. Verkünde von Diegos Wundern auf der ganzen Welt.

  6. Ehre die Tempel, in denen er predigte, und ehre seine heiligen Trikots.

  7. Ehre Diego nicht nur im Namen eines Clubs.

  8. Predige immer die Prinzipien der Iglesia Maradoniana

  9. Nimm Diego als zweiten Namen an und nenne deinen Sohn nach ihm.

  10. Ehre Leo Messi als Messias der Albiceleste (Spitzname der argentinischen Nationalmannschaft Anm. der Redaktion) und stelle ihn und Diego nie in Frage.

An Weihnachten werden Maradonaköpfe an den Christbaum gehängt. Ostern wird am 22. Juni gefeiert – am 22. Juni 1986 schoss Maradona jene beiden Tore, die später als „Die Hand Gottes“ und das „WM-Tor des Jahrhunderts“ in die Geschichte eingingen. Das erste erzielte Maradona mit der Hand, ohne dass der Schiedsrichter es sah. Später sagte er auf Nachfrage, das Tor sei durch den „Kopf Maradonas und die Hand Gottes“ gefallen. Beim zweiten umkurvte er die gesamte Abwehr einschließlich des Torwarts und schob den Ball dann ins leere Tor.

Inzwischen kann man sogar maradonianisch heiraten. Die Paare müssen sich ewige Liebe in Maradonas Namen schwören und dabei einen Fußball berühren, der eine Dornenkrone trägt. Die Frauen tragen weiße Kleider, die Männer Schwarze Anzüge mit Maradonas Nummer 10 auf dem Rücken. Am Ende geloben sie noch feierlich, ihre Söhne mit zweitem Namen Diego zu nennen. Dann dürfen sie sich küssen.

Für einen reinen Scherz ist die Iglesia Maradoniana inzwischen zu ausgeprägt.  Im maradonianischen Glaubensbekenntnis wird Maradona als „der Gott der Herzen“ bezeichnet, den man verehren kann, egal zu welcher Glaubensrichtung man normalerweise tendiert. Demnach ist die Iglesia Maradoniana die toleranteste Religion der Welt. Letztendlich ist sie wohl einfach eine Gruppierung von 40.000 verrückten Fußballfans, die es mit der Verehrung für ihren Lieblingsspieler ein bisschen übertreiben.

Mit diesem Artikel sei das fünfte Gebot befolgt.

Weitere Informationen zur Iglesia Maradoniana finden sich hier.

[Foto: Joel Richards]

4 Kommentare ...
  1. ernest steinberg

    die deutschen haben es bisher nur zum stellvertreter gottes geschafft. aber was ist mit beckenbauer? oder berni kloth?

  2. Maradona hat die Hand Gottes. Das hat er allen anderen voraus.

  3. Das schlechte Abschneiden Argentiniens gegen Bolivien bei der Copa America war dann wohl die Rache Gottes für dessen Entlassung.

  4. Gegen Kolumbein liefs auch nicht besser. Die Mannschaft ist am Boden! Ohne Gott läuft nichts…