Betterson

Alle grundrechtlich geschützten Bereiche enden irgendwo.
Wolfgang Schäuble

Bitcoin – Pandoras Geldbeutel

Wenn Ihnen Bitcoin bereits ein Begriff ist, können Sie getrost zum nächsten Absatz springen, für alle anderen folgt eine kurze Erklärung. Bitcoins sind eine virtuelle Währung, die sich durch zwei Eigenschaften besonders hervor tut. Zum einen sind sie, ähnlich wie Gold, nur in einer begrenzten Menge verfügbar. Zum anderen ist ihr Austausch praktisch anonym möglich und völlig kostenlos. Wie Bitcoins diese Eigenschaften erhalten können nur forgeschrittene Mathematiker befriedigend erklären, aber sie dürfen nach allgemeinem Konsens als gegeben angenommen werden. Mehr hierzu kann man auf http://www.bitcoin.org/ erfahren. Jenseits der technischen Faszination haben sie auch einen ganz praktischen Nutzen. Auf verschiedenen Online-Handelsplätzen kann man Bitcoins in Dollar, EURO und eine ganze Reihe weiterer Währungen umtauschen. Der Wert der Bitcoins ist also nicht virtuell, sondern bereits ganz real.

Spätestens seitdem der Lobbyverein Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) den Bitcoin mit einer zweiseitigen Presseerklärung ehrte, wird es Zeit, mal einen Blick darauf zu werfen. Vor allem die langen Passagen, die die ungeheuren Gefahren einer derart unregulierten Währung in schillernden Farben ausmalen, machen das ganze erst richtig attraktiv. “Durch die Nutzung von Bitcoins als Zahlungsmittel wird die notwendige Kontrolle durch den Staat […] unmöglich.” Da klingt nicht für jedermann schlecht, aber schon wenige Sätze später versichert BVDW-Vizepräsident von Dellingshausen: “Wir gehen davon aus, dass […] Bitcoins über kurz oder lang auch durch den Gesetzgeber verboten werden.” Also Kontrolle unmöglich aber ein Verbot wird kommen. Mein persönlicher Favorit allerdings ist diese fast schon sozialistische Einsicht: “Die reale Wirtschaft darf nicht zum Monopoly-Spiel werden”. Wer sich diese Peinlichkeit einer Presseerklärung von einem Verband, der immerhin von sich behauptet, die deutsche Digitalwirtschaft zu vertreten, in voller Länge gönnen möchte, findet sie hier.

In dem Moment, in dem ich diesen Artikel schreibe sind ca. 6 Mio Bitcoins im Umlauf und jeder Bitcoin wird mit ca. 10 EUR bewertet. Das entspricht einem Gesamtvolumen von 60 Mio EUR. Seit Februar diesen Jahres hat sich damit der Kurs des Bitcoin fast verzehnfacht. Durch Berichterstattung in populären Medien (SPON, Handelsblatt) kam es wahrscheinlich zu einem kleinen Run auf den Bitcoin, da man sich hier auch mit kleinen Einstiegssummen an gewagten Währungsspekulationen versuchen kann.

Das Risiko des Totalverlustes liegt auf der Hand. Es kann sich erweisen, dass Bitcoins doch eine technische Lücke haben, die unbegrenzte Vervielfältigung erlaubt. Oder die internationale Staatengemeinschaft kann versuchen, den Einsatz von Bitcoins zu unterbinden. Beide Szenarien sind aber, nach aktuellem Kenntnisstand, eher unwahrscheinlich bzw. kaum durchsetzbar. Eher schon besteht die Möglichkeit, dass der Bitcoin einfach in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, sei es, weil ein noch besseres Konkurrenzprodukt erscheint oder weil sich nie ein echter Wirtschaftskreislauf entwickelt, der über Bitcoins abgewickelt wird. Wer also mit Bitcoins spekuliert, sollte jeden Tag mit dem Ende dieses Abenteuers rechnen.

Aber es gibt auch noch einen anderen Ausblick auf eine mögliche Zukunft dieser ersten digitalen Währung. Ihre drei Haupteigenschaften, Anonymität, Kostenneutralität und Geldmengenstabilität machen sie für bestimmte Segmente des weltweiten Witschaftskreislaufs ungemein attraktiv. Überall, wo Gesetze, Steuern und Kontrollen dem freien Austausch von Waren und Dienstleistungen entgegen stehen, bietet sich der Bitcoin als Tauschmedium in geradezu idealer weise an. Stellte man sich vor, der internationale Drogenhandel und der internationale illegale Waffenhandel würden sich für den Bitcoin entscheiden, so lädt das zu lustigen Zahlenspielen ein.

Das Volumen des internationalen Drogenhandels wird von der UN mit ca. 500 Mrd $ eingeschätzt (entspricht zur Zeit ca. 350 Mrd EUR). Illegale Waffen werden alleine in Osteuropa im Wert von 100 Mrd. $ (70 Mrd. EUR) pro Jahr verschifft. Mann kann wohl davon ausgehen, dass die tatsächlichen Umsätze im Schatten der Illegalität (darunter fallen auch Steuerflucht und Menschenhandel) weltweit im Bereich von Billionen liegen. Aber nehmen wir an, nur die Waffen- und Drogenhändler würden sich zur Genüge mit Bitcoins eindecken, vielleicht um ein Viertel ihres Umsatzes zu decken. D.h. die umlaufende Bitcoin-Menge würde einem Wert von ca 100 Mrd. EUR entsprechen. Es steht bereits fest, dass die maximal erzeugbare Menge von Bitcoins ca. 21 Mio sein wird, und dieser Wert wird erst in Jahrzehnten erreicht. Daraus ergibt sich, konservativ geschätzt, dass jeder Bitcoin zu diesem Zeitpunk mit ca. 4700 EUR bewertet sein dürfte. Oder anders gesagt: wer sich jetzt für 100 EUR läppische 10 Bitcoins kauft, könnte in absehbarer Zukunft den Gegenwert von 47.000 EUR auf der Festplatte haben.

Es sind solche Milchmädchenrechnungen, die den rasanten Anstieg der Bitcoin-Wechselkurse erklärbar machen. Im Moment kann wirklich niemand sagen, ob der Bitcoin mehr als ein Hype ist, aber ein Kauf hat immer noch höheres Gewinnpotential als ein Lottoschein.

Bitcoin Homepage: http://www.bitcoin.org/

Und wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, können Sie natürlich auch gerne ein paar Coin-Fragmente an uns schicken, unsere Bitcoin-Adresse: 14jfgAo4mRWtxXcGbZMgUeYqYTYRfSRaBC

UPDATE: Ich habe noch das Video mit der kurzen Einführung zu Bitcoin eingebettet.

5 Kommentare ...
  1. Abgefahrene Sache! Menschenhandel klingt schon verlockend. Aber ist die Geldmenge wirklich garantiert stabil? Und wer gibt die Dinger heraus? Derjenige hätte ja dann doch die Kontrolle darüber, während Gold halt nur da aus der Erde kommt wo es welches gibt. Der Vorsprung gegenüber Gold besteht halt in der Unkontrollierbarkeit des Netzes. Aber die untransparente Bitcoin-Quelle stimmt noch misstrauisch.

  2. Lieber auf steigende Lebensmittelpreise setzen. Da kann eigentlich nichts schief gehen. Es sei denn, man investiert in Gurken.

  3. “Und wer gibt die Dinger heraus?”
    Das Netzwerk, also jeder, der daran partizipiert.
    Es hat nicht ein einzelner die Kontrolle, dann wäre das System ja nicht anders, als die momentanen staatlich kontrollierten Systeme.
    im Bitcoin-netzwerk kann jeder, ja, auch Du, zum “Geld-Drucker” werden.
    Man sollte sich allerdings darüber im klaren sein, das die “Produktion” eine enorme Menge an Rechnenleisting verlangt, eine, oder besser mehrere high-end Grafikkarten sollte man schon besitzen (oder eben in solche investieren), mit ner CPU allein hat man wenig Chancen.

    “untransparent” ist Bitcoin auch ganz und garnicht,
    das Gegenteil ist der Fall, es sind sowohl Protokoll und Software Open-Source,
    alsauch alle(!) Transaktionen des gesamten Netzwerks publik, also für jeden einsehbar.

    Kaum eine Währung (ich kenn keine) ist so offen und transparent wie Bitcoin

  4. ‘Lassdas’ hat es gut Zusammengefasst. Also Waldo – erst informieren dann sprechen .. untransparente Bitcoinquelle. Hier findet man übrigends weitere Infos:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bitcoin

  5. Nach der Lektüre des Artikels war mir das nicht sofort klar, die Quelle wurde ja auch nicht beschrieben. Aber stimmt, untransparent trifft es tatsächlich nicht. Aber vielleicht hat konrad deshalb noch das Video hinzugefügt, um es besser verständlich zu machen. Die Sicherheitsmechanismen sind schon sehr durchdacht. Jedoch frage ich mich, ob es wirklich vollkommen ausgeschlossen ist, dass man diese Mechanismen irgendiwe umgehen, also Bitcoins fälschen kann, bzw. den Mining-Prozess an sich reißen oder den Code so ändern kann, dass die Maximalmenge doch noch erweitert wird. Jedes noch so ausgefeilte IT-Sicherheitssystem konnte ja bisher über kurz oder lang geknackt werden…