Betterson

Alle grundrechtlich geschützten Bereiche enden irgendwo.
Wolfgang Schäuble

Bärengalle

Verwendet werden meist asiatische Schwarzbären (siehe Foto), gelegentlich aber auch Lippenbären oder Malaienbären. Der Wirkstoff, der in der Bärengalle in hoher Konzentration zu finden ist, heißt Ursodesoxycholsäure. Auch in der evidenzbasierten Medizin wird er bei einer Reihe von Lebererkrankungen  und  zur Entfernung kleinerer Gallensteine verwendet. Allerdings kommt dabei ausschließlich synthetisch hergestellte Ursodesoxycholsäure zum Einsatz, während die Traditionelle Chinesische Medizin nach wie vor natürliche Bärengalle bevorzugt. Durch den Boom der Traditionellen Chinesischen Medizin in Europa werden mittlerweile auch in westlichen Ländern zahlreiche Medikamente angeboten, die natürliche Bärengalle enthalten. In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass dies auf 75 Prozent der in Europa erhältlichen traditionellen chinesischen Medikamente zutrifft.

Der Handel mit Bärengalle ist sehr lukrativ. Laut der Animals Asia Foundation kostet ein Kilogramm Bärengalle in China 350 Euro, eine ganze Gallenblase gar 7.500 Euro. Das führte in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Bärenjagd in den USA und Kanada. Dort werden nun amerikanische Schwarzbären getötet, um ihre Galle nach Asien zu exportieren. Mittlerweile sind die USA der zweitgrößte Exporteur von Bärengalle. Drastischer ist allerdings der Umgang mit den Bären vor Ort. Allein in China werden etwa 9.000 Bären auf Bärenfarmen gehalten. Sie leben in Käfigen, die kaum größer sind als die Tiere selbst, sodass sie sich wenig bis gar nicht bewegen können. Zweimal täglich wird ihnen Galle abgezapft. In manchen Farmen kommen die Bären nur für diesen Vorgang in die winzigen Käfige und leben ansonsten in Käfigen, in denen sie sich wenigstens aufrichten und umdrehen können.  

Für das Abzapfen der Galle gibt es verschiedene Möglichkeiten:

– Die Gallenblase wird nach ihrer Lokalisierung immer wieder angestochen und geleert.

– Es wird eine Röhre durch die Bauchdecke des Bären in die Gallenblase stoßen. Die Röhre bleibt dort permanent, sodass die Galle immer wieder abgepumpt werden kann – beispielsweise mithilfe eines Katheters. Der Gebrauch von Metallkathetern ist mittlerweile zwar verboten, wird aber immer noch gelegentlich beobachtet.

– Die grausamste (leider auch schnellste und kostengünstigste) Methode besteht darin, ein permanentes Loch in den Bauch und die Gallenblase des Bären zu stechen und die Galle dann frei heraustropfen zu lassen. Die dabei entstehende Wunde ist anfällig für Infektionen. Außerdem kann dabei Galle innerhalb des Bauches austreten, was oft zum Tod des Bären führt. Um dies zu verhindern, wird das Loch meist durch ein Rohr gestützt, das den Bären große Schmerzen bereitet. Allerdings ist der Bär bei jeder dieser Methoden großen Schmerzen ausgesetzt: Die Bären werden weder mit sterilen Instrumenten operiert noch erhalten sie schmerzstillende Mittel und sind während der Prozedur bei vollem Bewusstsein.

Durchschnittlich überleben Bären in solchen Farmen fünf Jahre. Nach spätestens zehn Jahren reduziert sich die Galleproduktion. Hat ein Bär “ausgedient”, wird er einfach getötet, damit man sein Fleisch und Fell verkaufen kann. Die lebenden Bären auf den Farmen leiden unter massiven körperlichen Schäden. Ihre Ernährungslage ist meist kritisch. Zur Sicherheit der Arbeiter werden ihnen häufig Krallen und Zähne entfernt. Ihr Wachstum ist durch die engen Käfige eingeschränkt und sie verlieren durch mangelnde Bewegung viel Muskelmasse. Mehr als ein Drittel der Tiere stirbt an Leberkrebs, der auf das Abzapfen der Galle zurückzuführen ist. Auch psychische Schäden wurden oft beobachtet. World Animal Protection ließ elf Bärenfarmen beobachten. Dabei wurde von Bären berichtet, die ihre Köpfe gegen die Gitterstäbe schlugen und ihre eigenen Tatzen abkauten. Durch die chinesischen Medien ging die Geschichte einer Bärenmutter, der es gelang, sich aus ihrem Käfig zu befreien. Sie erstickte anschließend ihr Kind und beging Selbstmord, indem sie absichtlich gegen eine Wand rannte.

2006 ließ die chinesische Regierung verlauten, man arbeite an einem Konzept zur besseren Unterbringung der Bären und einer schmerzfreien Gallegewinnung. Doch bereits 2007 veröffentlichte die Animals Asia Foundation einen Bericht, der offenlegte, dass keinerlei Vorstöße in diese Richtung unternommen wurden und das Konzept nach wie vor die Methode der frei heraustropfenden Galle beinhaltet.

Die chinesische Regierung rechtfertigt all dies damit, dass so die Bejagung der Bären eingeschränkt werden kann, da ohne Bärenfarmen jährlich bis zu 10.000 Tiere getötet werden müssten, um den Bedarf an Bärengalle zu stillen. Für die Bären in den Farmen ist dies ein schwacher Trost, wenn man bedenkt, dass der Wirkstoff synthetisch hergestellt werden kann und der Handel mit Bärenprodukten durch das Washingtoner Artenschutzabkommen längst verboten wurde.

3 Kommentare ...
  1. Miss Basswood

    Um ehrlich zu sein, konnte ich den Artikel nicht komplett lesen. (linus, wie konntest Du das SCHREIBEN?)
    Ein paar Stichworte haben gereicht, um mir den Magen umzudrehen. Mir kommen die Tränen.
    Wie immer geht’s nur ums Geld.

  2. Es war zugegebener Maßen nicht immer leicht.

  3. Miss Basswood

    Ich hätte mich nach zwei Minuten Recherche über einer Toilettenschüssel wiedergefunden.
    Wie schaff ich’s jetzt nur, Deinen Text zu lesen?