Betterson

Alle grundrechtlich geschützten Bereiche enden irgendwo.
Wolfgang Schäuble

A Modest Proposal 2.0

Immer noch schwebt die Wirtschaftskrise über uns wie ein Damoklesschwert. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Wichtig ist da vor allem eins: Deutschland muss wettbewerbsfähig bleiben. Dies predigt auch unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Die Wettbewerbsfähigkeit ist das zentrale Thema für die Zukunft.“, waren ihre Worte vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos Anfang diesen Jahres.

Zum Erreichen dieses Ziels müssen alle Mitglieder unserer Gesellschaft etwas beitragen. Denn ohne Fleiß kein Preis, und wir Deutschen sind seit jeher ein fleißiges Volk. Sehen wir uns doch mal die faulen Völker im Süden Europas an. Die jüngste Vergangenheit hat Spanien als Inbegriff der Wettbewerbsunfähigkeit entlarvt. Der Tagesablauf des gemeinen Spaniers ist durch Siesta geprägt. Viel entscheidender ist jedoch, dass sich über 55 Prozent der Jugendlichen davor drücken, zu arbeiten – bei Kindern sollen die Zahlen sogar noch extremer sein. Wir dürfen also – um nicht so zu enden wie die Spanier –  unsere Kinder nicht länger daran hindern, etwas zu unserer Wettbewerbsfähigkeit beizutragen. Ich schlage deshalb vor, die Kinderarbeit in Deutschland zu legalisieren.

Mir geht es dabei weniger um die Kinder reicher Leute. Diese stellen genetisch hochwertiges Humankapital dar – eine Ressource, die nicht ungenutzt bleiben darf. Hier sollen weiterhin Schulen und Universitäten zur Optimierung beitragen. Nein, es geht mir dabei primär um die Kinder des abgehängten Prekariats. Unter den heutigen Voraussetzungen entwickeln sich diese ohnehin zu Sozialschmarotzern. Für sie ist Arbeitserfahrung besonders wichtig, da sie Curricula attraktiver gestaltet.  Also schadet es nicht, wenn sie früh in die Arbeitswelt einsteigen, um dem Staat später nicht auf der Tasche zu liegen.

Natürlich stellt sich die Frage, welche Jobs Kinder sinnvoll ausführen können. Schließlich kann nicht jeder Balljunge werden. Länder, die uns hier als Vorbild dienen sollten, wie Bangladesh oder Indonesien, beschäftigen Kinder häufig in der Textilbranche. Dieser Ansatz bietet zwei offensichtliche Vorteile: Erstens eignen sich die kleinen Fingerchen von Kindern ganz hervorragend zum Nähen von Kleidungsstücken, Taschen et cetera. Zweitens wäre der Wirtschaftsstandort Deutschland für Unternehmen der Textilbranche attraktiver, da die Produktion vor Ort wieder billiger würde. Dies hätte eine erhebliche Stärkung unserer Wirtschaft zur Folge.

Eine andere Möglichkeit für Lohnarbeit im Kindesalter stellt der ehrenwerte Beruf des Schornsteinfegers dar. Bis ins frühe 20. Jahrhundert war es durchaus üblich, Kinder in diesem Sektor zu beschäftigen. Ihre Größe prädestiniert sie, in Schornsteine zu klettern und sie von innen zu reinigen. Zudem sollten sie sich an Ruß nicht stören, da sie ansonsten ja ohnehin durch das Spielen im Dreck ihres Armenviertels schmutzig werden. Denn Familien aus dem proletarischen Milieu können sich häufig keinen Computer leisten, der Kindern eine andere Beschäftigungsmöglichkeit bietet.

Auch hört man immer wieder, wie wichtig eine flächendeckende Überwachung zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus ist. Warum dazu nicht Kinder verwenden? Sie werden wohl von kaum jemandem als Bedrohung wahrgenommen, könnten also fast überall eingeschleust werden, ohne dass irgendwer Verdacht schöpft. Außerdem bereitet es ihnen keine Schwierigkeiten, durch Lüftungsschächte zu kriechen und so andere Menschen auszuhorchen. Besonders intelligente Kinder können Informationen direkt besorgen, die anderen muss man einfach nur mit Abhörgeräten ausstatten. So kommt man einfach, unauffällig und auch kostengünstig an Informationen.

Ich schreibe dies alles nicht, weil ich etwas gegen Kinder hätte. Im Gegenteil, ich schreibe dies, weil mir ihr Wohl besonders am Herzen liegt, aber auch, weil ich mich um die Sicherheit und im besonderen die Wirtschaft unseres Landes sorge. Denn die Krise ist noch lange nicht überwunden.

[Bildquelle: Wikimedia Commons, Bryan]

Noch keine Kommentare ...