Betterson

Alle grundrechtlich geschützten Bereiche enden irgendwo.
Wolfgang Schäuble

Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Sitcom

how i met your mother

Die vorherigen Staffeln bestachen durch ihre intelligente Erzählstruktur, in der einzelne Stränge wir Zahnräder ineinander passten. Den Drehbuchschreibern gelang es dadurch auf eine sehr subtile Weise, den ultimativen Cliffhanger zu entwickeln. Denn die Befriedigung, die der Zuschauer aus den Insiderwitzen und dem Wiedererkennen früherer Ereignisse zieht, übersteigt die Neugier nach der eigentlich angekündigten Geschichte „How I met your Mother“ um ein Beträchtliches. In dieser verflixten siebten Staffel aber spielt der Titel der Serie auf einmal eine übergeordnete Rolle. Bis dahin war es egal, wer nun Teds große Liebe und die Mutter seiner Kinder ist. Im Gegenteil, man wollte keine Auflösung, denn das hätte ja das Ende der Serie bedeutet. Jetzt kann man es kaum erwarten, endlich zu erfahren, wer diese ominöse Frau ist, um die leidenden Gesichter von Ted und Robin nicht mehr sehen zu müssen.

Marshall und Lily waren unser Vorbild in Sachen Beziehung. Barney, der ultimative Macho-Kotzbrocken, wurde sympathisch durch ein ewiges Hin und Her zwischen Chauvinismus und Verletzlichkeit und erhob How I Met Your Mother durch Sätze wie „When I get sad I stop being sad and be awesome instead“ beinahe schon zu einer Kultserie. Robin, die man eigentlich nicht so richtig mögen konnte, weil sie Waffennärrin und Kinderhasserin in einem ist, trieb wenigstens die Handlung voran. Und Ted war die nette, romantische Identifikationsfigur für alle. Während aber Marshalls und Lilys Beziehung zu Klamauk verkommen ist und Barney nur noch als eifersüchtiger Schatten seiner selbst in der Bar herumgeistert, wurde die siebte Staffel zunächst zu einer Robin-Jammer-Show: Erst war sie in Barney verliebt und litt darunter wie ein Tier. Dann war sie glücklich mit ihrem Therapeuten und litt darunter, dass Barney seine Freundin für sie verließ. Als sie erfuhr, dass sie keine Kinder bekommen könne, litt man kurz mit ihr – bis man von den Sitcom-Lachern daran erinnert wurde, dass How I Met Your Mother eigentlich eine lustige Serie sein sollte. Nahtlos ging dieses Trauerspiel vor einigen Folgen in die Ted-Jammer-Show über, nachdem Ted Robin zum x-ten Mal seine Liebe gestanden hatte – Robin seufzte, der Zuschauer seufzte. Allerdings nicht, weil die Szene so schön gewesen wäre, sondern weil man es einfach nicht mehr hören kann.

Nachdem Ted und Robin einige Zeit parallel unter dieser erneuten Liebeserklärung gelitten haben, hat sich Robin nun wieder an den Rand des Geschehens zurückgezogen. Ted allerdings hat sie abgelöst und leidet mit so viel Inbrunst, dass man sich unwillkürlich an Dawson’s Creek erinnert fühlt. Leidende Blicke aus großen Augen und mit großen lebensverändernden Worten waren eigentlich Aufgabe des für die Rolle viel zu alten James van der Beek und Katie Holmes alias Dawson und Joey. Deren On-Off-Liebesbeziehung zog sich auch über mehrere tragische Staffeln hin, sie beendeten ihre Freundschaft, definierten sie neu, vermissten sich und kamen am Ende doch nicht zusammen. Die Schwere der Gemüter ist jetzt auch auf How I Met Your Mother übergegangen, mit dem Unterschied, dass man als Teenager diese Probleme noch spannend fand und Dawson’s Creek als tragische Serie angelegt war.

Die Tragödie, die aus How I Met Your Mother wurde, enttäuscht auf ganzer Linie. Aber ebenso, wie man doch neugierig war, ob Joey sich für Dawson oder seinen Freund Pacey entscheidet, erträgt man das vorhersehbare, weinerliche Partnerwechseln zwischen Barney, Robin und Ted bis man weiß, wer die Mutter von Teds Kindern ist. Erklärbar ist diese emotionale Diarrhoe kaum, wenn man den bisherigen Verlauf der Handlung betrachtet. Es sei denn das Motto der Serie wurde geändert in „When I get Ted I stop being Ted and be Dawson instead.“

 

[Bildquelle: Bag_Table, Flickr]

6 Kommentare ...
  1. der letzte Satz sagt alles… tragisch, leider!

  2. Den Standard zu halten ist bei Serien ziemlich schwierig denk ich, aber wahrscheinlich ist das nun “Konzeptwandel”, sowas kann ich meistens nicht begrüßen. Ich hab auch nur die ersten paar Staffeln ansatzweise gesehen, gut dass es manch andere Serien gibt, die mit jeder Staffel immer spannender werden, in denen alles unklarer wird und nicht auf ein bestimmtes Ende hinausläuft. (DEXTER AHH!)

  3. Wenn man teilweise liest, was hinter den Kulissen von Serienproduktionen vor sich geht, ist es erstaunlich, dass die Qualität so konstant hoch bleibt. Meistens springen aber irgendwann dann doch mal ein paar gute Autoren und/oder Producer ab, dann wird’s so fad wie jetzt HIMYM. Vielleicht ist es auch einfach Zeit für alle beteiligten, etwas neues zu machen.

  4. @tobi: warts ab….

  5. Das geht leider allen Serien so und dafür gibt es den schönen Begriff “Jumping the shark”: http://en.wikipedia.org/wiki/Jumping_the_shark. Sehr traurig, aber wahrscheinlich unvermeidlich. (Scrubs – AHH!).

  6. Gestern das groß angekündigte Staffelfinale gesehen: So was vorhersehbares…