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Wahlplakate des Grauens: Florian Post

Beginnen wir mit diesem recht harmlos wirkenden Plakat von Florian Post (SPD).

wahlplakate_spd_post_fullEine Frage, die sich bei Politiker-Portraits eigentlich nie stellt: Können diese Augen lügen? Die überraschende Antwort: Nein. Denn diese Augen kennen schon seit Jahren keine menschliche Regung mehr. Das Foto könnte genauso gut von einer Bildagentur unter dem Stichwort “Junger Karrierepolitiker” gekauft sein. Ich muss über diesen Menschen unbestimmbaren Alters nichts wissen, um doch schon sein ganzes Leben zu kennen. Klassensprecher bereits in der Grundschule, danach Schülersprecher und im Vorstand der SMV während seiner gesamten Gymnasialkarriere. An der Uni (Studium BWL oder VWL) natürlich gleich in die ASTA – Mitglied bei den Jusos war er da schon länger. Wenn es ein Sommerfest, einen Ausflug oder einen Wahlkampf zu organisieren gab, war Florian Post garantiert zur Stelle, hat immer die Ärmel hochgekrempelt und mitgeholfen. Er hat nicht nur organisiert, sondern ist auch selber raus, um Plakate zu kleben, wenn nötig bis tief in die Nacht. Er verkörpert die moderne SPD in Perfektion. Und damit zeigt er auch symptomatisch das Problem der Partei.

Post könnte genauso gut von der Jungen Union sein. Die Unterschiede zwischen den zwei Lagern erkennen ohnehin nur erfahrene Profis: die Mitglieder der Union tendieren immer ein wenig zum bösartig-psychopathischen Look (vgl. Söder), während die der SPD eher naiv-windig aussehen (Florian Post, Axel Berg in jungen Jahren).

Florian Posts Programm ist dabei ganz auf seine Persönlichkeit zugeschnitten: wachsweich und nichtssagend. Der Slogan “Post für Sie” stimmt einen schon auf das Niveau ein, mit dem es in den Details weitergeht. Wer genauer hinsieht wird mit knallharten Positionen wie dieser belohnt: “Erneuerbare Energie ist nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch wirtschaftlich vernünftig.” Hoho Genosse, immer langsam mit den jungen Pferden! Wem das zu links oder progressiv war, der kann sich mit einem weiteren Statement von Posts Plakaten beruhigen: “Die Energiewende muss sicher, nachhaltig und bezahlbar sein, auch für die Bürgerinnen und Bürger in der Maxvorstadt.” Das ist sie, die klare Kante der SPD, keine andere Partei würde so ein kontroverses Statement wagen.

Soll man das wählen?

Florian Post ist so eine Art parlamentarisches Füllmaterial. Leicht und luftig wie Styropor, biologisch abbaubar wie Altpapier. Er tritt die Nachfolge von Axel Berg an, der für die Bayern-SPD rekordverdächtige drei Legislaturperioden im Bundestag saß und es dabei bewerktstelligte, völlig unbekannt zu bleiben. Post dürfte Ähnliches gelingen.

1 Kommentar ...
  1. Also es stimmt ja, dass Wahlplakate im Allgemeinen meist eine recht hirnlose Veranstaltung sind. Und die vom Post sind da auch nicht besser. Nur dass der Axel Berg völlig unbekannt geblieben sei, ist durchaus Schmarrn. Weit davon entfernt der ideale MdB zu sein, hat er doch am Erneuerbare-Energien-Gesetz mitgewirkt, was eines der ganz wenigen guten Projekte der damaligen rotgrünen Regierung war. Er war überzeugend nicht unter den Speichelleckern der Atom- und Kohleindustrie wie so viele andere SPDler. Auch wurde er drei mal direkt gewählt, das erste Mal vom letzten Listenplatz. Das ist für Bayern durchaus bemerkenswert. Ich bin ja jetzt kein emotionaler Berg-Fan, aber das war eher ein Eigentor. Der Wechsel zu Post ist das eigentlich überraschende.