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Alle grundrechtlich geschützten Bereiche enden irgendwo.
Wolfgang Schäuble

“Denn Fußballfreundschaft ist für uns Pflicht”

augsburg fans

Der 1. FC Köln war in der letzten Zeit häufig in den Nachrichten. Dabei ging es allerdings eher selten um das schlechte Abschneiden des Vereins in der Bundesliga, sondern meistens um Übergriffe seitens einiger FC-Fans. Beispielsweise attackierten sie einen Fan-Bus von Borussia Mönchengladbach auf einer Raststätte oder – zweifelsohne der bisherige Höhepunkt der Kölner Fan-Gewalt – verprügelten den Leverkusener Verteidiger Michal Kadlec nach einem Discobesuch. Auch Anhänger der Frankfurter Eintracht sorgten mehrfach für Negativschlagzeilen. Man erinnere sich nur an das unrühmliche Ende der letzten Saison, als vermummte Eintracht-Anhänger den Rasen stürmten und die Spieler in die Kabine jagten, um ihrem Unmut über den Abstieg Ausdruck zu verleihen. Bei der Feier des direkten Wiederaufstiegs kam es erneut zu Randalen und Sachschäden. Borussia Dortmund machte  durch homophobe Banner in der Fankurve negativ auf sich aufmerksam. Beim FC St. Pauli kam es zu Ausschreitungen vor dem Stadion während der Partie gegen Hansa Rostock. Pauli-Fans drückten dadurch ihr Unverständnis darüber aus, dass die als rechtsradikal und gewaltbereit geltenden Hansa-Fans nicht ins Stadion gelassen wurden.

Etwa zwei Wochen vorher spielte der FC Augsburg in der heimischen SGL arena gegen den VfB Stuttgart. Das Spiel ging mit 1:3 verloren. Ein solches Ergebnis ist im Abstiegskampf verheerend. Dennoch wurde die Mannschaft nach dem Spiel nicht beschimpft, ausgepfiffen – wie es in München, Hamburg oder Berlin oft der Fall ist – oder gar in die Kabine gescheucht. Die Spieler liefen zur Fankurve und wurden mit Applaus und Jubel gefeiert.

Doch nicht nur das Verhalten gegenüber der eigenen Mannschaft ist so friedfertig, sondern ebenso das gegenüber gegnerischen Fans. Als Beispiel sei hier das Verhältnis der FCA-Fans zu den Anhängern von Werder Bremen genannt. Im März 2010 trafen die beiden Vereine ohne nennenswerte Vorkommnisse im DFB-Pokal-Halbfinale aufeinander. Dennoch veranlasste diese Begegnung den Augsburger Stadionsprecher beim Hinspiel dieser Saison dazu, sich für die Gastfreundschaft der Bremer bei besagtem Pokalspiel zu bedanken. Obwohl zwischen den beiden Vereinen keine offizielle Fanfreundschaft besteht, wurde außerdem für die Werder-Fans, die in Augsburg übernachten wollten, eine Kneipentour und ein gemeinsames Frühstück am nächsten Morgen organisiert. In dieser Aktion spiegelt sich eine Zeile des Vereinsliedes wieder, das vor jedem Spiel im Stadion zu hören ist. Darin heißt es: „Und jeder Gastverein soll hier willkommen sein, denn Fußballfreundschaft ist für uns Pflicht.“ Beim Rückspiel revanchierten sich die Werder-Fans gebührend, indem sie eine Schifffahrt über die Weser, eine Fan-Party und ein Frühstück in der Fankurve für die FCA-Fans organisierten. Man darf gespannt sein, was sie sich für die nächste Saison einfallen lassen.

All dies liegt nicht daran, dass Spiele des FC Augsburg lediglich ein beliebtes Ausflugsziel für Familien sind. Die Augsburger Fans leben derzeit dem Rest der Republik eindrucksvoll vor, worum es beim Fußball eigentlich gehen sollte: um Gemeinschaft.

So kann man diesem kleinen Verein nur zu seinen tollen Fans gratulieren – und zum Klassenverbleib in der 1. Bundesliga, der einen Spieltag vor Schluss gesichert wurde, und das trotz des geringsten Etats der gesamten Liga.

[Fotoquelle: Wikimedia Commons, Werner100359]

3 Kommentare ...
  1. so sind die augschburger halt

  2. Die Hymne von uns Augsburgern geht weiter: und wenn der Ball im Spiel ist, wird die Fahne gehisst, denn wir sind Augsburger und ihr nicht.”
    Großartiger Artikel, denn zum Fußball gehören Gegner, alles andere nennt man “Training”.

  3. “Sportlicher” Gegner ist man während des Spiels auf dem Platz!

    Gewalt und Aggression hat weder im Stadion noch außerhalb vom Stadion was verloren.

    Die besagt Passage in der Hymne geht wie folgt. Heißt dort “doch wenn” und nicht “und wenn” und beschränkt den (sportlichen) Wettstreit während der 90 Minuten.

    Es ist auch immer wieder schön mit Fans anderer Verein gemeinsam zu feiern und oder auch sich zu unterhalten. Und gewisse Sprüche gehören da auch dazu. Aber Fußball ist die schönste “Neben”sache der Welt. Und sollte auch so ausgelebt werden. Mit Freude und Spaß daran!

    “Und jeder Gastverein / soll hier willkommen sein
    denn Fußball-Freundschaft / ist für uns Pflicht
    Doch wenn der Ball im Spiel ist / wird die Fahne gehisst
    denn wir sind Augsburger / und ihr nicht

    Wir sind seit 1907 / nicht nur am Samstag für dich da.”

    Grüße aus Augschburg